Depressionsromantik

Du bist doch lebensmüde!

Diesen Spruch hört man häufig als Vorwurf von Menschen, wenn sie zum Ausdruck bringen wollen, dass eine andere Person etwas Riskantes oder Törichtes getan hat. Doch wenn man einmal genauer über das Wort lebensmüde nachdenkt, muss man eigentlich zu dem Schluss kommen, dass es in einem vollkommen falschen Kontext verwendet wird.

Ein Mensch, der müde ist, möchte sich schlafen legen, weil er den Wachzustand nicht mehr aushält. Selbst wenn man versucht, sich gegen die Müdigkeit zu wehren, irgendwann wird man doch von ihr übermannt und schläft ein.

Ein lebensmüder Mensch, und ich spreche hier von der Interpretation des Wortes im richtigen Kontext, möchte sich ebenfalls schlafen legen, weil er den Wachzustand des Lebens nicht mehr erträgt. Natürlich steht außer Frage, dass der Schlaf der lebensmüden Person für immer ist, aber genau darum geht es ihr doch auch. Und das hat nichts damit zu tun, dass man riskant oder töricht gehandelt hat, ganz im Gegenteil. Ein lebensmüder Mensch möchte sich zur Ruhe legen und seinen Frieden finden. Und das ist tugendhaft, bedarf einer Menge Mut und sollte von anderen mit dem nötigen Respekt behandelt werden.

Gute Nacht.

Der Schriftsteller

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Jedes Mal, wenn er eine neue Geschichte anfängt, beginnt der innere Konflikt von vorne: Wie viel will er von sich preisgeben? Nein, wie viel kann er von sich preisgeben? Schreiben ist ein schmerzhafter Prozess: Man muss sich vollständig öffnen und sein verletzliches Inneres zum Vorschein bringen. Nicht selten werden dabei alte Wunden wieder aufgerissen, jedoch kommt Schreiben auch immer wieder einer Katharsis gleich. Nur wenn man sich mit seinen inneren Dämonen beschäftigt, kann man sie besser verstehen und mit ihnen umgehen. Denn eines ist klar: Diese Bastarde wird man niemals besiegen können. Und jeder, der das Gegenteil behauptet, erliegt einer törichten Illusion.

Es gibt viele Hilfsmittel, die den Schreibprozess erleichtern. Bei einigen Autoren hilft Alkohol, andere wiederum benötigen einen vollkommen ruhigen und verdunkelten Raum, um die Gedanken isolieren zu können. Der Schriftsteller dieser Geschichte benötigt keine Hilfsmittel. Er muss nur kurz seine Augen schließen, in sich gehen und sich für einen Moment konzentrieren. Danach ist er bereit, all seinen Schmerz, seine inneren Konflikte, die Verzweiflung und den Wahnsinn, der sich Leben nennt, auf die Tasten seiner Continental-Schreibmaschine zu erbluten. Anfänglich sind es immer nur ein paar vereinzelte Tropfen, doch sobald er sich erst einmal warm geschrieben hat, wird daraus schnell ein roter und rasender Fluss. Nicht selten passiert es, dass er viele Stunden am Stück schreibt und alles um sich herum vergisst: Zeit, Hunger, Müdigkeit. Einfach alles!

Doch dieses Mal war etwas anders. Er wusste erst nicht, was es war, doch dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: Er hatte der Welt nichts mehr mitzuteilen. Seit über 30 Jahren hat er nun schon geschrieben, von Kurzgeschichten, über Gedichte bis hin zu ganzen Büchern. Doch inzwischen hatte er alles gesagt, er fühlte sich leer und ausgebrannt. Erst dachte der Schriftsteller, es sei lediglich eine kreative Schreibblockade, aber auch Wochen später konnte er nichts zu Papier bringen. Und so setzte bald auch der körperliche Verfall ein. Der einst stolze Schriftsteller war nur noch ein Schatten seiner selbst: Die Haut war trocken und faltig, die Wangen eingefallen. Seine einst leuchtenden Augen waren müde und trüb. Es dauerte nicht lange, bis er krank und bettlägrig wurde. Der Schriftsteller musste fortan wie ein kleines Kind gefüttert werden und schlief die meiste Zeit über nur, weil er für andere Dinge einfach zu erschöpft war.

Es war ein sonniger Frühlingstag und die Vögel zwitscherten von den Bäumen, als er zum letzten Mal ausatmete und der Welt sein letztes Schriftwerk überhaupt präsentierte: Sein Testament.

Rückblick

Der letzte Artikel ist eigentlich schon viel zu lange her. Aber der Operator hatte in den vergangenen Monaten viel zu tun und so blieb ihm weder Zeit noch Muße,
die DZGH-ARMY mit neuen Inhalten zu beglücken. Aber jetzt zum Jahreswechsel soll sich das noch einmal ändern, und zwar in Form einer neuen Kurzgeschichte (die diesmal wirklich sehr kurz ist). Es war mal wieder an der Zeit für kreativen Output und so manifestierten sich die nun folgenden Worte, die sich von seinem Herzen über seine Finger auf die Tastatur ergossen haben und schließlich in digitaler Form auf dem Bildschirm landeten. Wie immer ist auch diese Geschichte frei erfunden und ob ein tiefer Sinn dahinter steckt, steht jedem Leser frei und obliegt der eigenen Interpretation.

Rückblick

Er saß alleine an der Bar und blickte in sein Glas. Es war so leer wie sein Leben selbst. Die Erkenntnis traf ihn wie ein harter Schlag, obwohl sie eigentlich nicht neu für ihn war. Der Jahreswechsel stand wieder einmal kurz bevor und er ließ die vergangenen 365 Tage noch einmal Revue passieren, bevor sie für immer der Vergangenheit angehörten. Vieles hatte er verloren, alte Zöpfe abgeschnitten und sich immer mehr vom grellen Leben da draußen zurückgezogen. Er wollte nie als Einsiedler enden, aber das war es, wofür er bestimmt war. Und die Bestimmung, das ist das Einzige, vor dem man nicht flüchten kann. Flüchten, wie er es sein gesamtes Leben bisher über getan hat.

Er atmete schwer und bestellte einen weiteren Drink. Er tauschte das Weinglas gegen einen Tumbler mit Whiskey und nahm einen langsamen, tiefen Schluck. Er ließ den vollen Geschmack des Whiskeys auf seine Geschmacksknospen wirken, bevor er ihn hinunterschluckte. Und dann dachte er weiter. Würde das kommende Jahr Besserung bringen oder würde er weiter vor sich hinvegetieren? Er wusste keine Antwort auf diese Frage und verlangte in diesem Moment auch gar keine. Viele offene Fragen, aber keine Antworten – das zeichnete schon immer sein Leben aus und würde sich auch an diesem Abend nicht ändern. Er nahm einen weiteren Schluck und wollte alles vergessen: den Moment, das sich dem Ende neigenden Jahr, sein bisheriges Leben, einfach alles! Als das Glas leer war, zerbrach er es in seiner Hand und beobachtete, wie der warme, dickflüssige, rote Saft langsam seinen Arm hinunterkroch. Er erblickte eine der losen Scherben vor ihm auf den Tresen und nahm sie behutsam, aber voller Entschlossenheit in seine Hand. Er drückte sie an seine Vene und war bereit, den letzten Schritt zu machen, als plötzlich sein Handy in seiner Hosentasche vibrierte. Er zückte es hervor und sah auf das Display. Er hatte eine neue Kurzmitteilung von einem der wenigen Freunde erhalten, die er noch übrig hatte. „Frohes neues Jahr!“ lautete der Inhalt und er ließ die Scherbe langsam aus seinen Fingern gleiten und ging nach Hause.

Die Kurzgeschichte ist jetzt doch glatt ernster geworden als geplant, aber ein wenig Melancholie zum Jahreswechsel hat schließlich noch niemandem geschadet. Der Operator wird jetzt headbladen und anschließend erst mal Essen machen. Sein Magen macht mehr Krach als die verzerrten E-Gitarren, die aus seinen Lautsprechern ertönen. In diesem Sinne: Bis zum nächsten Artikel!

Ein Tag im Herbst

Gute Neuigkeiten! Die verschreibungspflichtigen Drogen, die der Operator in regelmäßigen Abständen einwerfen muss, scheinen heute besonders gut zu wirken! Und so kommt es, dass der Operator gleich heute noch einen zweiten Artikel nachreicht. Einer von der Sorte „Viele Wörter, keine Bilder“. Und zwar hat sich der Operator hingesetzt und eine kleine Kurzgeschichte geschrieben. Nachdem er die letzten Tage flach lag, wurde es dringend Zeit, mal wieder etwas in die Tasten zu tippen. Herausgekommen ist eine kurze Geschichte in drei Akten, zusätzlich Pro- und Epilog.

PROLOG

Es war ein warmer Herbsttag. Die Sonne schien klar und hell. Nur ein paar vereinzelte Wolken trübten die sonst perfekt scheinende Herbstidylle. Das goldig-braune Laub der Bäume flog sanft vom Wind getrieben durch die Luft. Fast wie in Zeitlupe und ebenso magisch. Es roch nach frisch gemähten Rasen und Blumen. Eigentlich wäre heute ein perfekter Tag, um einen Spaziergang oder ein Picknick im Freien zu machen. Aber heute war kein solcher Tag.

 

AKT 1 – SHOWTIME

Perry saß auf der Motorhaube seines Autos und nahm einen letzten Zug von seiner Zigarette. Er schnipste den aufgerauchten Stummel mit Zeigefinger und Daumen weg, stand auf und strich seinen dunkelgrauen Anzug glatt. Danach griff er zum Knoten seiner dunkelblauen Streifen-Krawatte, zog ihn fest und richtete seinen Schlips. „Showtime, Perry!“ sagte er zu sich. Der Augenblick war gekommen, den er immer für unmöglich hielt. Er atmete noch einmal tief durch, fasste in die linke Innentasche seines Sakkos, zog einen Flachmann hervor und nahm einen kräftigen Schluck zur Beruhigung. „Okay, sei jetzt keine Pussy. Du schaffst das!“ Selbstmotivation hat noch nie bei ihm funktioniert. Er packte den Flachmann wieder weg und ging in Richtung Menschenmasse.

 

AKT 2 – AUS DEM WEG

Perry mischte sich unter die Menschenmenge. Vereinzelte Gesichter sahen ihn ausdruckslos an. Andere wirkten einsam und wütend. Ein paar Menschen stellten sich ihm unbewusst in den Weg und Perry musste sie höflich zur Seite schieben, nachdem sie sein freundliches „Entschuldigung!“ als Aufforderung zum Platz machen offenbar überhört haben müssen oder absichtlich ignoriert hatten.

Perry stand jetzt ganz am Ende der Menschenmasse und blickte nach unten. Vor ihm war ein großes schwarzes Loch. Es sah aus wie der gierige Schlund einer Bestie, dessen Hunger nur durch eine Opfergabe gestillt werden konnte. Perrys bildliche Vorstellung eines tatsächlich existierenden Monsters, das in diesem Loch lebte, zauberte ein halbes Lächeln auf sein Gesicht. Seine Gesichtsmuskeln entspannten sich jedoch schnell, als er sich wieder ins Gedächtnis rief, weshalb er eigentlich hier war. Überwältigt von den plötzlichen Emotionen, die einen stechenden Schmerz in seiner Brust auslösten, sackte Perry auf seine Knie und griff mit beiden Händen tief in die Erde und ballte sie zu Fäusten.

 

AKT 3  – ABSCHIED

Perry hob seine Hände, die immer noch zu Fäusten angespannt waren, und hielt sie sich vors Gesicht. Nur langsam konnte er die Anspannung lösen. Erde rieselte von den Innenflächen seiner zitternden Hände auf seine Hose und auf den Boden. Perry rieb seine Hände, um auch den letzten Schmutz zu lösen und stand mühsam und mit Tränen in den Augen auf. Auf seinen Schultern spürte er die Hände der anderen Menschen, die versuchten, ihm durch Klopfen Mut zu machen und ihn aufzumuntern. Perry atmete tief aus und hielt für einen Moment inne. Dann griff er zu einer Schippe, die sich neben ihm in einem Eimer befand und hob sie hoch. Sie war gefüllt mit hellbraunem Sand. Perry streckte seinen Arm aus und hielt die Schippe direkt über das große, schwarze Loch. Dann drehte er sein Handgelenk langsam um. Wie auch die rieselnden Körner einer Sanduhr fiel der Sand von der Schippe langsam in das Loch und verteilte sich gleichmäßig auf einen mintgrünen Gegenstand. „Leb wohl, meine Liebe!“ flüsterte Perry leise und fast unhörbar. Dann ließ er die Schippe fallen, drehte sich langsam um und ging zurück zu seinem Auto. Als er sich durch die Menschenmenge bewegte, sah er mitfühlende und nickende Gesichter.

 

EPILOG

In seinem Auto angekommen, steckte sich Perry eine Zigarette an und nahm einen tiefen Zug. Der mit Schnaps gefüllte Flachmann in der linken Innentasche seines Sakkos drückte gegen seine Rippen. Bei Perrys ungesunder Lebensweise hätte er niemals gedacht, dass Sie zuerst vom Antlitz der Erde verschwinden würde. Perry legte seine rechte Hand ruhend auf das Lenkrad seines Autos und starrte auf seinen Ringfinger, an dem er einen goldenen Ring trug, der schon einige Kratzer und Macken aufwies. Es kam ihm so vor, als sei alles erst gestern passiert: Die erste Begegnung, das erste Date, der erste Kuss, der erste Sex und die Verlobung mit anschließender Hochzeit. Doch hier und heute endete die Geschichte. Viel zu früh und viel zu abrupt. Die gemeinsame Zeit war in Retrospektive viel zu kurz. Perry starrte aus der Frontscheibe seines Autos und es wurde ihm schlagartig klar: Alles hat irgendwann ein Ende und deshalb sollte man immer das Beste aus jedem Moment machen. Er ist sich zwar nicht sicher, ob er das bisher immer gemacht hat, aber die gemeinsame Zeit mit Ihr war erfüllend und Perry blickt gerne auf die Hochs und auch die Tiefs zurück. Als er sich so erinnerte, fing sein Herz an zu pochen, seine Brust wurde ganz heiß und es bildete sich ein schwerer Knoten in seinem Hals. Und dann floss ihm eine einzelne Träne langsam über die Wange und leise – ganz leise ­– wimmerte Perry ihren Namen: Emily.

Spiegelbild

Zeit für neues Geschreibsel, diesmal sogar wieder mit Einleitung, obwohl man über den Text eigentlich keine großen Worte verlieren muss, da er ziemlich für sich selbst spricht. Und trotzdem: Wer wäre der Operator, wenn er nicht auch für solche Texte eine Einleitung finden würde? Eben!
Bei diesem fiktiven Text handelt es sich um ein paar Zeilen, die der Operator irgendwann, irgendwo und irgendwie geschrieben hat. Ob zum Zeitvertreib, zur Selbsterkenntnis oder zur Vorbereitung auf eine längere Geschichte – die Interpretationen seien wie immer den Lesern überlassen. Fakt ist jedoch, dass der Operator selbst nur ziemlich selten in den Spiegel schaut. Und wenn, dann auch meist nur kurz. Eine Ausnahme bildet da das Headbladen, denn das klappt noch nicht mit verbundenen Augen. Aber auch daran arbeitet der Operator! Wie dem auch sei, nach dieser wie immer sinnfreien Einleitung folgt jetzt der wie immer sinnfreie Haupttext. Viel Spaß und esst mehr Gemüse! Und Fleisch! Aber tötet keine Robben! Oder Wale! Und Augen auf im Straßenverkehr!

Er schaute in den großen Spiegel, der über dem Waschbecken im Badezimmer hing: Sein Gesicht wirkte eingefallen und seine Augenringe schrien vor Müdigkeit.
Und doch strahlten seine Augen selbst eine gewisse Wachsamkeit und Lebendigkeit aus. Manchmal tat es gut, allein zu sein. Die meiste Zeit jedoch war es schmerzhaft und nervenaufreibend: Wenn man jeden Tag mit dem Gefühl aufwacht und zu Bett geht, dass etwas in seinem Leben fehlt, dann schlägt sich das nicht nur unweigerlich auf die Psyche, sondern auch auf die körperliche Gesundheit aus.
Doch was blieb ihm schon anderes übrig, als in den Spiegel zu sehen und über die Trivialität seines Seins nachzudenken? Was macht ihn überhaupt besonders oder unterscheidet ihn von anderen Personen? War es sein Herzschmerz und die Nichtbefriedigung seiner Bedürfnisse? Oder waren es gar seine Gedanken und inneren Triebe, die seinen Verstand aktiv hielten? Vielleicht war es aber auch nur die Gewissheit, dass dies irgendwann bald ein Ende finden würde, so oder so.
Er wusste es nicht genau und wollte es in diesem Moment auch gar nicht wissen. Was zählte war sein Antlitz im Spiegel und die damit verbundene Wahrnehmung seiner selbst. Was die Zukunft bringt, das weiß er nicht. Auch weiß er nicht, ob sich sein Zustand irgendwann bessern, oder ob alles noch mehr vor die Hunde gehen wird. Eine Sache war jedoch klar wie jüngst poliertes Porzellanglas: Wir wurden alle geboren, um zu sterben. Die Frage lautet nur, was wir in der  Zeit dazwischen machen: Lassen wir uns von der Gewissheit beeinflussen, dass alles irgendwann ein Ende findet, oder machen wir das Beste aus dieser Zeit zwischen den Welten?
Sehen wir optimistisch nach vorne oder tragen wir die schwere Bürde der Erkenntnis? Muss man sich überhaupt für eine Seite entscheiden? Kann man nicht das Beste aus seiner Situation machen, obwohl man weiß, dass alles Leben nur vergänglich und im Vergleich zum großen Gesamtbild nur ein schlechter Witz ist? Muss man wirklich immer diese Linie zwischen Gut und Böse ziehen?
Ach, was weiß denn er: Er ist nur ein weiterer Idiot der vor dem Spiegel steht und sich darin beobachtet.

Albträume

Seit Wochen plagen mich schon Albträume. Sie schneiden sich in meine Gedankengänge wie ein scharfes Messer durch einen mehligen Apfel. Obwohl sich die Träume fast immer unterscheiden, bleibt das Thema doch gleich: Einsamkeit und der Kampf gegen die immer größer werdende Dunkelheit, sowohl in mir selbst, als auch meiner Umwelt.

Oft befinde ich mich in einer ausweglosen Situation, die im Verlaufe des Traums auch nicht besser wird. Was soll das alles und warum bin ich überhaupt hier? Die Träume mögen mir darauf keine Antwort geben, ebenso wenig der luzide Zustand des Seins. Und so kommt es, dass ich doch den immer gleichen Traum Nacht für Nacht durchlebe. Dass diese Träume nur wenig erholsam sind, muss wohl nicht speziell betont werden. Meistens wache ich durcheinander und neben mir stehend auf, nur um daran erinnert zu werden, was ich zuvor geträumt habe. Selten bleibt es dabei bei einem einzigen Traum: Drei bis vier verschiedene Träume, an die ich mich am nächsten Tag noch sehr genau erinnern kann, sind keine Seltenheit für mich.

Nächtliche Dunkelheit

Und so verinnerliche ich diese Träume und sauge sie auf wie ein Blatt Papier einen dickflüssigen Tintenfleck. Ich habe zwar keine Ahnung, was mein Unterbewusstsein abgesehen von den allgemeinen Ängsten und Sorgen verarbeiten will, aber diese dunklen Träume sind nun mal ein untrennbarer Teil von mir. Und so lebe ich durch meine Träume, und insgeheim freue ich mich sogar auf die nächste Nacht, die mir keine Ruhe bringt. Albträume sind schließlich besser als gar keine Träume.
Und selbst wenn es auch kein Happy End geben wird: Man wird doch wohl noch träumen dürfen…

Neues Geschreibsel!

Manchmal laufen die Dinge anders, als man denkt und so kam es, dass der Operator heute unverhofft mehr Zeit hatte, als ursprünglich geplant. Die Zeit hat er genutzt, um mal wieder ein wenig zu schreiben, schließlich will man auch nicht aus der Übung kommen. Herausgekommen ist eine kleine Kurzgeschichte, die euch der Operator hier ohne weitere Vorankündigung präsentiert. Viel Spaß. Oder so.

Bar-Bekanntschaft

Mit gesenktem Kopf und einem Glas Whiskey in der Hand saß er auf dem Barhocker. Links neben ihm lag sein Handy, auf das er alle paar Augenblicke schaute, in der Hoffnung eine Nachricht oder einen Anruf zu erhalten. Wenn er nicht gerade auf sein Handy blickte, starrte er gedankenversunken in die Luft. Er dachte dabei an nichts Konkretes; die Gedanken waren zu willkürlich, um sie wirklich festhalten und einordnen zu können.
Er trank einen Schluck aus seinem Glas. Der rauchige Whiskey floss seine Speiseröhre hinunter und sorgte für ein warmes Gefühl in seinem Bauch. Die einzige Wärme, die er im Moment verspürte.
Langsam fingen seine Gedanken an, sich zu konkretisieren, als sie von einer Frauenstimme unterbrochen wurden.
„Beschissene Nacht?“ fragte ihn die unbekannte Brünette.
Er schaute kurz auf sein Handy und dann der Brünetten in Augen. Sie waren grün.
„Eine Nacht wie jede andere.“, erwiderte er und zuckte beiläufig mit der linken Schulter.
Die unbekannte Brünette hatte bemerkt, wie er wieder auf sein Handy geschaut hat.
„Erwartest du jemanden?“
„Irgendwie schon, aber eigentlich nicht.“
Die Brünette setzte sich auf den Barhocker links von ihm.
„Wie meinst du das genau?“
„Man will raus, aber keiner hat Zeit. Also geht man alleine und setzt sich in irgendeine Bar. Weil man nicht möchte, dass der Abend so endet, wie er angefangen hat, starrt man ständig auf sein Handy. Scheißdinger.“
Die Brünette nickte.
„Mein Abend läuft bisher auch nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Aber wann tut es das schon mal…“
„Erzähl!“
„Ach, da gibt es nicht viel zu erzählen: Im Grunde genommen ist es wie bei dir. Mit dem Unterschied, dass ich letzte Woche meinen Freund mit einer anderen im Bett erwischt habe und deshalb das Jubiläumsessen heute ins Wasser gefallen ist.“
Er nahm einen weiteren Schluck aus dem Whiskeyglas. „Fuck, das ist mies.“
„Ach, unsere Beziehung drehte sich gegen Ende sowieso nur im Kreis. Wäre es nicht das gewesen, dann hätte es noch genügend andere Gründe gegeben, um Schluss zu machen.“
Er schaute ein wenig irritiert.
„Entschuldige die persönliche Frage, aber warum hast du dann nicht eher Schluss gemacht?“
Sie zögerte kurz.
„Ich wollte nicht alleine sein. Albern, ich weiß.“
„Ganz und gar nicht.“
Er nahm ihre rechte Hand in seine linke.
„Schon komisch, was man manchmal nicht alles macht, um nicht alleine zu sein.“
„Zum Beispiel in eine Bar gehen, sich betrinken und dabei in Selbstmitleid zerfließen?“
Er lachte kurz auf.
„Ich zerfließe nicht in Selbstmitleid, jedenfalls nicht vor dem fünften Glas Whiskey.“
„Und beim wievielten Glas bis du mittlerweile?“
Er lächelte spitzbübisch.
„Erst beim zweiten. Wenn du einen erwachsenen Mann weinend im Selbstmitleid sehen willst, dann komm in ca. einer Stunde wieder.“

„Oder…“, sie erwiderte seinen Händedruck, „wir verlassen die Bar jetzt einfach.“
Er wollte der unbekannten Brünetten gerade antworten, als sein Handy neben ihm auf dem Tisch vibrierte. Er nahm es in die Hand, schaute auf das Display und drückte ein paar Tasten.
Er legte das Handy wieder beiseite. „Entschuldige bitte.“
„Kein Problem. War das die Nachricht, auf die du gewartet hast?“
„Das… das war etwas anderes.“ Er schaute unbequem.
„Alles in Ordnung?“
„Weißt du, ich denke, es ist besser, wenn ich hier bleibe.“
Er zog seine Hand zurück.
Die Brünette schaute verwirrt. „Bist du dir sicher?“
„Sorry, aber heute Nacht ist einfach nicht die Nacht dafür.“
Er trank sein Glas aus und gab dem Barkeeper eine Geste, dass er ein weiteres Glas haben wollte.
Die Brünette war sichtlich sauer und enttäuscht. Sie stand auf und zwischen ihren Zähnen zischte ein „Arschloch!“ hervor. Dann verließ sie die Bar.
Er saß wieder alleine da und griff zu seinem Handy, um die Werbe-SMS zu löschen, die er vorhin erhalten hatte. Sie war von einem Autoreparaturservice.
Dabei fährt er gar kein Auto.


Geschreibsel – Auszüge aus einem unveröffentlichten Buch

Im Dezember des Jahres 2010 hatte der Operator bereits einige Zeilen aus seinem bisher unveröffentlichten Buch hier zur Schau gestellt.

Die Arbeiten an dem Buch, das übrigens auf den klangvollen Namen „Egotrip“ hört, liegen aufgrund von fehlender Zeit im Moment leider auf Eis. Außerdem ist der Operator mit dem Weg, den die Geschichte eingeschlagen hat, mittlerweile nicht mehr zufrieden, so dass erst einmal große Umstrukturierungen anstehen, bevor der Kurs wieder aufgenommen werden kann.

Nichtsdestotrotz ist es mal wieder an der Zeit für einen Auszug, schließlich kann dieses kostbare Kleinod der Literatur nicht einfach in Vergessenheit geraten.

Finn saß zusammen mit seinem Bier und gebratenen Nudeln in Käsesauce aus der Mikrowelle auf der Couch und hatte zur Hintergrundberieselung den Fernseher eingeschaltet. Es lief irgendeine reißerische Reportage über aufmüpfige und besserwisserische Teenager. Finn schenkte dem Programm jedoch nur wenig Beachtung. Eigentlich hatte er den Fernseher auch nur eingeschaltet, um sich nicht so alleine zu fühlen, und Geräusche um sich herum zu haben.

„Fick dich, du dumme Schlampe!“ tönte es aus dem Fernseher. Mutter und Tochter hatten sich mal wieder in den Haaren. Die Tochter beschimpfte ihre Mutter, rannte anschließend wutentbrannt aus dem Wohnzimmer und knallte dabei die Tür hinter sich zu. Zurück blieb eine in sich zusammengesunkene Mutter, die weinte. Die Kamera hielt die ganze Zeit natürlich drauf. Geht ja schließlich um die Quoten. Reportagen über heile Familien will schließlich niemand sehen. Wäre auch viel zu unrealistisch, wenn sich alle gut verstehen und nie streiten würden. Außerdem geht es dem Mensch besser, wenn er weiß, dass es noch andere Leute gibt, deren Leben beschissener und inhaltsloser als das eigene ist. Da fühlt man sich gleich viel wohler.

Der Dramaturgie wegen schaltete der Sender am Klimax der Streiterei zur Werbung über. Finns Zeichen, den Sender zu wechseln.

Mit der Bierflasche in der linken und der Fernbedienung in der rechten Hand bahnte er sich seinen Weg durch das allabendliche TV-Programm. Auf dem Naturkundesender lief eine Dokumentation über das Sexualverhalten von Pandabären. Es ging speziell um einen männlichen Pandabär, der einfach nicht ficken wollte, um das Aussterben seiner Rasse zu verhindern. Also taten die Menschen, was sie für das Beste hielten: Sie setzten ihn auf Diät und ließen ihn Pornos schauen.

Finn schaltete um. Er hatte den Quizsender erwischt.

Nennen Sie 3 Tiere, die mit „H“ beginnen, lautete das Rätsel des heutigen Abends, das sich vermutlich die ganze Nacht lang hinziehen wird.

Finn stöhnte genervt und schaltete den Fernseher aus. Er stand auf, um seinen mittlerweile leeren Teller in die Küche zu bringen.

Er hatte es sich gerade wieder auf der Couch gemütlich gemacht und einen Schluck von seinem Bier genommen, als es an seiner Haustür klingelte. Finn nahm einen weiteren Schluck und ging zur Tür, um sie zu öffnen.

„Hi…“ Vor ihm stand das rote Sommerkleid. „Kann ich reinkommen?“

Finn machte einen Schritt zur Seite und Amanda betrat die Wohnung.

Kleine Randbemerkung zum Schluss: Der Teil mit dem sexfaulen Panda ist nicht etwa ausgedacht, sondern den hat der Operator vor geraumer Zeit tatsächlich mal in der Zeitung gelesen. Eine kurze Recherche im Internet bestätigte den Wahrheitsgehalt der Geschichte. Verrückte Welt!

Geschreibsel – Ein Monster namens „Horst“

Ein Artikel reicht nach so einer langen Durststrecke natürlich nicht und deshalb folgt direkt die nächste Lektüre!

Vor vielen, vielen Jahren hatte der Operator noch volles Haar auf seinem Kopf. Das, und die Idee, einen Horrorfilm mit ein paar Freunden/Bekannten zu drehen. Der Operator erzählte also stolz von seiner Idee und alle waren begeistert. Also so, wie das immer ist, wenn der Operator eine Idee hat und sie publik macht *räusper*.
Wie dem auch sei: Aufgrund der positiven Aufnahme dieser Idee setzte sich der Operator flugs dran und verfasste ein Drehbuch. Natürlich hatte er keine Ahnung davon, wie man so etwas anstellt, also schrieb er einfach drauf los. Herausgekommen ist eine Geschichte voller Action, Horror (logisch!), Gefühlen und Zombies. Richtig, Zombies! Eine Szene sah sogar vor, dass sich ein Zombie aus der Erde gräbt und eine Gruppe von Menschen anfällt. Der Operator nimmt an dieser Stelle wohl nicht zu viel vorweg, wenn er verrät, dass das Drehbuch natürlich nie umgesetzt wurde, was er immer noch schade findet und ihn traurig macht. Aber wer weiß: Vielleicht wird aus der wilden Idee, die er vor vielen, vielen Jahren einmal hatte, ja sogar irgendwann mal ein richtiger Film. Und sei es nur ein amateurhaftes Werk.
Hauptantagonist der Handlung ist übrigens ein Monster namens „Horst“ und das war auch der Titel des Films.

Kleine Randnotiz: Der Operator hat sogar schon Songs für den Soundtrack geschrieben, der natürlich auch zusammen mit dem Film veröffentlicht werden sollte. Hach, jugendlicher Leichtsinn…

 

Doch zurück zum Thema: Der Operator hat das Drehbuch selbst schon seit mehreren Jahren nicht mehr gelesen (kann sich aber noch gut an die Handlung erinnern) und deshalb hat er willkürlich eine zufällige Seite ausgewählt, von der ihr hier nun einen Auszug lesen könnt. Habt Teil am verrückten Hirn des Operators. Regelmäßigen Besuchern der DZGH-ARMY schockt sowieso nichts mehr…

Kleine Randnotiz, Teil 2: Noch nicht alle Personen hatten in dem Drehbuch einen Namen, deshalb haben manche Charaktere einfach nur Abkürzungen. Aber genug der langen Worte, bestaunt nun das Kleinod an Drehbuch:

 

Kyle: Hi, gut dass ihr da seid!

Kyle setzt sich zu den anderen.

J3: Jetzt erzähl uns aber auch, was los ist.

Kyle: Na schön. Deine Ex, Luci, hat etwas sehr Dummes gemacht [schaut beschämt nach unten] …und ich habe ihr auch noch dabei geholfen.

J3: SO hieß die also, jetzt fällt’s mir auch wieder ein. Aber jetzt rück raus mit der Sprache: Was habt ihr gemacht?

Kyle: Als sie aus der Klapse entlassen wurde, kam sie gleich zu mir. Sie wollte sich an dir rächen, weil sie der Meinung war, dass du daran schuld bist, dass man sie in die geschlossene Anstalt gesteckt hat.

J3: Das sieht der Schlampe ähnlich.

Kyle: Sie wollte Rache der etwas besonderen Sorte. Sie wollte mit mir zusammen einen Dämon beschwören, der dich findet und umbringt.

J3: Was für einen Dämon?

Kyle: Sein Name ist Horst und er is’n ziemlich übler Bursche. Einer von denen, mit denen man sich lieber nicht anlegen möchte.

J3: Warum hast du ihr bei der Beschwörung geholfen? Wir waren doch gute Freunde?!

Kyle: Nun ja, sie sagte, wenn ich ihr bei der Manifestation von Horst helfe, dann fickt sie mit mir… Und du weißt ja selbst, wie gut sie gebaut ist und da konnte ich natürlich nicht nein sagen.

 

Na gut, war im Nachhinein wohl doch besser, dass der Film nie gedreht wurde… Aber weil der Operator gerade gut drauf ist und sich sowieso für nichts schämt, gibt es hier noch die Lyrics zum Themesong des Films (welcher natürlich auch nie aufgenommen wurde):

 

When day turns into night, the apocalypse is near
close the window, lock the door, evil is now here.
He comes from another universe,
he likes your guts ‚cause he’s perverse!

Horst — He’s coming for you!
Horst — He’s breaking through!
Horst — Say Goodbye!
Horst — Everyone’s gonna die!

You’re lying on the floor, (and) you can’t speak no more.
It’s hard to breath, it’s hard to think…
what the hell’s going on?
No more time to alter you life
there’s him with the knive.
Feel the pain, feel your blood

LISTEN AND SHUT THE FUCK UP!!

Horst — He’s coming for you!
Horst — He’s breaking through!
Horst — Say Goodbye!
Horst — Everyone’s gonna die!

You see now clear, the moment is here.
The floor is full of blood, he’s eating your guts.
there’s no time left, it’s just shit, it’s just fear,
You are dead and Horst is drinkin‘ a beer!

Horst — He’s coming for you!
Horst — He’s breaking through!
Horst — Say Goodbye!
Horst — Everyone’s gonna die!

Horst — evil has a new name
Horst — even if it’s lame
Horst — don’t care about it
Horst — eat the poor and the rich
Horst — he’s not a nice guy
Horst — Everyone’s gonna die!

DIE!

 

Bitte weist den Operator nach Sichtung dieses Artikels nicht in die geschlossene Anstalt ein, auch wenn er da sogar gut aufgehoben wäre. Danke!

Geschreibsel – „Mein Leben in 4 Worten“

Ein neuer Artikel aus der neuen Rubrik der DZGH-ARMY. Freude!

Bei dem nun folgenden Text handelt es sich um die Einleitung einer Kurzgeschichte, die der Operator vor einiger Zeit einmal schreiben wollte. Die Arbeiten an der Kurzgeschichte flossen allerdings in eine größere Geschichte ein, die der Operator gerade schreibt (sofern er Zeit dazu findet). Da die Einleitung der Kurzgeschichte in ihrer jetzigen Form nicht weiter verwendet wird, hat der Operator sich dazu entschlossen, sie hier zu veröffentlichen, damit sie nicht in Vergessenheit gerät.

Kennen Sie nicht auch diese Psychofragebögen in irgendwelchen drittklassigen Zeitschriften?
„Was ist Ihre Lieblingsfarbe?“, „Was wollten Sie als Kind werden?“ oder „Beschreiben Sie Ihr Leben in 4 Worten!“.
Nun, für letztere Frage brauche ich gerade einmal 4 Buchstaben:
F-U-C-K.

 

Das war es auch schon, das war die Einleitung. Nicht gerade viel, aber dafür auch schnell zu lesen. Applaus!

 

Der Operator ist sich sicher: Damit hätte er den Literaturnobelpreis gewonnen!