Operator in Action: Uwe Boll in Paderborn

Der Operator war mal wieder unterwegs und hat dabei so einiges erlebt:

Es begab sich am  Abend des 17.10.2007, als sich der Operator zusammen mit Nr. 24 auf nach Paderborn, genauer gesprochen, zum Cineplex, einem Kino, machte, um sich das Preview zu Postal anzuschauen. „Postal“, das ist der neue Film von Uwe Boll. Eigentlich wollte der Operator nie einen von Uwe Bolls unterirdisch schlechten Filmen im Kino anschauen, doch dann kam alles ganz anders…

Eine kleine Vorgeschichte:

Wer Filme und Computerspiele liebt, der wird irgendwann einmal in seinem Leben um einen Namen nicht umherkommen: UWE BOLL. Herr Boll wurde am 22.07.1965 in Wermelskirchen geboren und hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, erfolgreiche Computerspiele erfolglos zu verfilmen, und das auch noch in Hollywood. Dies liegt daran, dass kein Schwein seine Filme in Deutschland finanzieren würde. Zu seinen „Glanzstücken“ gehören u.a. House Of The Dead, Alone In The Dark und BloodRayne. Wie der geneigte Leser sicherlich schon erahnen kann, sind seine Filme nicht gerade beliebt. Na ja, Uwe selbst hält sie natürlich für Meisterwerke. Wie dem auch sei, Computerspieler und Kinogänger weltweit verpöhnen den guten Uwe für seine filmischen „Leistungen“. In Amerika fordert man gar sein Berufsverbot, aber das ist eine andere Geschichte…

Jedenfalls hat der Operator von all seinen Filmen lediglich Alone In The Dark geschaut, aber das hat ihm auch schon genügt, um sich eine Meinung zu bilden. Wenn man es sogar schafft, etwas so triviales wie eine Sex-Szene zu verbocken, dann gehört schon einiges an Talentfreiheit dazu. Kommt normalerweise bei jedem noch so schlechten Film mit Sex-Szenen wenigstens im Ansatz so etwas wie Erotik vor, versteht es Mr. Boll gekonnt, am Ziel vorbeizuschießen: Zu 70er-Jahre-Musik im Stil von Je t’aime überrascht Tara Reid Hauptdarsteller Christian Slater zu einem spontanen Schäferstündchen. Klingt an und für sich geil, ist aber in Wahrheit eher mau, was u.a. daran liegen könnte, dass die Musik die ganze „knisternde Erotik“ im Keim erstickt und die Darsteller eher gelangweilt als liebestoll wirken. Monsieur Boll war sich der Wirkung seiner in den Sand gesetzten Sex-Szene wohl bewusst, denn im auf DVD veröffentlichten Director’s Cut des Filmes ist diese auf einmal nicht mehr enthalten.

Der tapfere Nr. 24 hat sich sogar neben Alone In The Dark noch einen weiteren Film vom Boll angetan und zwar BloodRayne. Dieser war, wie sollte es auch anders sein, laut seiner Meinung mindestens genauso schlecht wie Alone In The Dark. Der Operator und Nr. 24 tauschten sich fortan gegenseitig über die aktuellsten Uwe Boll-News aus und machten sich gemeinsam über ihn lustig, wie es sich nun mal gehört.

Ankündigung des Ereignisses:

Ungefähr eine Woche vor dem eigentlichen Ereignis war der Operator im Cineplex, um sich den Film Planet Terror anzuschauen. Aufgrund der exorbitanten Flüssigkeitszunahme in Form von Eistee, hielt es der Operator für ratsamer, sich vorher nochmal ordentlich zu entleeren, schließlich hatte er an jenem Tag seine Windeln vergessen. Als er also auf der Schüssel saß und sich entspannte, erblickte er auf einmal ein Plakat: POSTAL PREVIEW IM CINEPLEX stand da drauf. „Na super“, dachte der Operator sich „schon wieder ’nen Boll-Film im Kino..“. Doch Moment, was erblickten seine altersschwachen Augen auf dem Plakat? STAR-REGISSEUR UWE BOLL KOMMT ZUM PREVIEW NACH PADERBORN. HEUREKA, darauf hatte der Operator sein ganzes Leben lang unwissentlich gewartet. Endlich würde sich eine Gelegenheit ergeben, seinen Lieblings-Regisseur einmal persönlich kennen zu lernen! Flugs musste Nr. 24 angerufen werden. Gemeinsam wurde beschlossen, dass man dieses Mega-Event auf keinen Fall verpassen darf. Am nächsten Tag wurden dann schnell im Internet die nötigen Infos besorgt und anschließend Karten vorbestellt.

Der große Tag:

17.10.2007. Nun war es also so weit, der Operator und Nr. 24 würden endlich Uwe Boll persönlich kennen lernen. Das Event sollte um 20:30 Uhr starten und genau eine ganze Stunde vorher (sicher ist sicher), holte man sich die Karten ab. Nachdem man einige Minuten auf der Stelle getreten ist, um sich die Zeit zu vertreiben, beschloss man, schon mal nach oben zum entsprechenden Kino-Saal zu gehen. Wie sich einige Minuten später noch herausstellen sollte, war dies nicht die klügste Idee…

Oben angekommen, setze man sich erst einmal hin und plauderte so vor sich her, als der Operator mit seinen Luchsohren plötzlich eine Stimme vernahm: „Wie schafft der Boll das eigentlich, dass er all die großen Stars für seine Filme gewinnen kann?“. Sieh an, noch einer, der auf unserer Seite war und den Boll nicht leiden konnte. Der Abend schien immer besser zu werden. Irgendwann kam besagte Person auf uns zu und fragte uns, ob wir auch zur Postal-Preview gekommen sind. Als wir seine Frage bejahten, kam man ein wenig ins Gespräch und beängstigend mussten Nr. 24 und der sagenumwobene Operator feststellen, dass der Typ ein Fan von Boll ist. Der selbst ernannte Frührentner ging sogar noch einen Schritt weiter und sah Boll schon als den nächsten Tarantino. Überhaupt stellte sich heraus, dass der Frührentner nicht mehr alle Latten am Zaun hatte. Zu unserem gemeinsamen Entsetzen mussten wir auch noch feststellen, dass sein Kino-Platz direkt neben dem unseren war. Doch durch eine glückliche Fügung hörten wir bei Betreten des Saals ein „Nööö, da oben will ich aber nicht sitzen… Bis später, Jungs!“ und weg war er. Welch ein Glück! Ein paar Minuten und schlechte Witze (Bollshit, Uwe Proll…) später folgte dann auch der Hauptfilm.

Zum Hauptfilm selbst gibt es nicht viel zu sagen: Im Großen & Ganzen war er relativ langweilig und vorhersehbar. Allerdings hatte er ein paar lustige Gags und Sprüche auf Lager: Fazit: Bloß nicht ins Kino gehen (es sei denn, Uwe Boll ist auch mit von der Partie), sondern, wenn überhaupt, lieber später aus der Videothek ausleihen und vorher ein paar Bier oder andere alkoholische Getränke zu sich nehmen und den Film gemeinsam mit Freunden schauen.

Ca. 10 Minuten bevor der Film zu Ende war, kam Uwe Boll leise in den Saal. Der Operator hat ihn natürlich sofort gesehen und brüllte ein freudiges „UWÄÄÄÄÄÄÄÄ!!!“ in den Saal. Als die Credits über die Leinwand liefen, stellte sich Uwe den Kinobesuchern und erzählte erst mal einige Schwänke aus der Produktion und Vermarktung des Films. Dabei benutzte der Boll viele Kraftausdrücke und fluchte auch mal gerne zwischendurch, was ihn durchaus sympathisch macht. Nach seinem kurzweiligen Monolog folgten recht langweilige bis belanglose Publikumsfragen, die der Boll leider nur sehr oberflächlich beantwortet hat. Aus diesem Grund hat sich der Operator auch mit Fragen zurückgehalten. Man konnte auch während der Fragerunde feststellen, dass sich Mr. Boll in seinen Aussagen sehr häufig widersprach.

Nach ca. 15 Minuten war die Fragestunde im Saal selbst vorbei und es ging weiter nach draußen. Dort ließ sich der Uwe mit seinen Fans und vom Kinopersonal fotografieren und beantwortete noch ein paar weitere Fragen. Anschließend gab es noch Autogramme. Der Operator bekam sogar eine persönliche Widmung. Für den Kino-Besitzer sollte Uwe auch etwas ins Gästebuch schreiben und da kam des Operators großer Augenblick: Der Boll stand also direkt neben mir, schrieb einige Wörter ins Gästebuch und las diese nebenbei vor:

UB: „Lieber Hans-Werner, wenn der Film nicht mindestens 4 Wochen im Kino läuft…
OP: „… dann haut Uwe Boll dir auf’s Maul!“

Daraufhin lachte der Boll sogar. Wahrscheinlich weil er wusste, dass der Operator mit seiner Aussage absolut Recht behalten würde, wenn der Film nicht wirklich vier Wochen im Kino läuft. Abschließend haben wir uns noch etwas über den neuen Hitman-Film und andere Dinge unterhalten, als Uwe dann auch schon wieder zurück ins Hotel musste…

Schade eigentlich, denn der Abend war eigentlich sehr amüsant und Uwe Boll besitzt eine gesunde Portion Humor (die er in seinen Filmen leider nicht zum Ausdruck bringt…) und auch sonst ist er doch recht sympathisch. Na gut, seine Filme bleiben deshalb trotzdem scheiße, aber darauf kam es in dem Moment auch gar nicht an. Darüber hinaus wäre der Operator auch etwas enttäuscht gewesen, wenn der Film tatsächlich gut gewesen wäre.

Traurig sein muss er auf jeden Fall nicht, denn am 14.11.2007 gibt es bereits ein Wiedersehen mit dem lustigen Uwe, denn da stellt er seinen neuen Film Seed vor.

PS: Der Gästebucheintrag ging übrigens noch wie folgt weiter:

UB: „… dann komme ich nie wieder zu dir ins Kino!“

Update: Wie der Operator kürzlich erfahren musste, findet das Preview am 14.11. nicht statt, da Uwe Boll aus „persönlichen Gründen“ nicht erscheinen kann. Schade!