Spinne gegen Spinne

Gestern Abend war der Operator mal wieder im Kino, und zwar in The Amazing Spider-Man, der neuesten Comicverfilmung eines Superhelden. Der letzte Spider-Man-Film aus der Reihe von Sam Raimi ist gerade einmal fünf Jahre alt und viele fragen sich zu Recht, ob man da schon wieder einen Reboot, also einen Neustart, der Reihe braucht. Auch der Operator stellte sich diese Frage und ging deshalb neugierig, aber auch mit wenigen Erwartungen in den Film.
Da „The Amazing-Spider-Man“ (2012) die Entstehungsgeschichte von Spider-Man erzählt, stellt der Operator einen Vergleich zwischen jüngst genannten Film und dem ersten Spider-Man (2002) von Sam Raimi an. Und damit der lange Monsterartikel halbwegs übersichtlich bleibt, hat der Operator die Filme in verschiedenen Kategorien im Detail betrachtet. Los geht’s!

 

Peter Parker

In S-M war Peter Parker (dargestellt von Tobey Maguire) der schüchterne und verklemmte Junge von nebenan, der sehr zurückhaltend war und von seinen Mitschülern gemobbt wurde. Erst als er von einer Spinne gebissen und zu Spider-Man wird, wächst ihm Rückgrat und er lässt sich nicht mehr alles gefallen.

Peter Parker (Andrew Garfield) aus TAS-M besaß auch schon vor seiner Verwandlung zum Spinnenmann Rückgrat und setze sich für sich und andere ein. Dafür bekam er zwar mehr als nur einmal sein Fett weg, aber das hält ihn nicht davon ab, auch weiterhin für seine Überzeugungen einzustehen. Und auch darüber hinaus ist der „neue“ Peter Parker viel schlagfertiger als der Peter aus dem Jahr 2002. Dadurch orientiert sich TAS-M stärker an die Comicvorlage und seine Verwandlung zu Spider-Man wirkt weniger radikal.

 

Runde 1 geht an The Amazing Spider-Man!

 

Spider-Man

Okay, hier wird es etwas kniffliger, da beide Versionen hier einen guten Job abliefern. Aber trotzdem kann es auch in dieser Runde nur einen Sieger geben, also ran mit den Details:

Der Anzug in S-M ist wunderschön verarbeitet und sieht einfach nur großartig aus. Wenn man sich aber vor Augen hält, dass wir hier von einem Teenager reden, der sich den Anzug gebastelt hat, dann wirkt er allerdings zu perfekt. Kein Wunder, schließlich kostete der Anzug damals in der Herstellung 10.000 Dollar. Ein Betrag, den wohl kaum ein Teenager einfach so übrig hat.

Bei TAS-M kann man sich schon eher vorstellen, dass der Anzug gekauft sein könnte, auch wenn er in der eigentlichen Herstellung garantiert nicht weniger Geld gekostet hat. Wie dem auch sei: Hier und da wirft der Anzug Falten, man sieht Nähte und das Material sieht weniger aus wie eine Spezialanfertigung. Das wirkt definitiv glaubwürdiger, sorgt aber auch gleichzeitig dafür, dass der Anzug im direkten Vergleich zu Sam Raimis Film weniger gut aussieht.

Ein weiterer Unterschied: In S-M wird die Netzflüssigkeit von Peter Parkers Körper produziert. In den Comics und auch in TAS-M nutzt Peter Kapseln mit Netzflüssigkeit. Die Kapseln kauft Peter im Film gleich in einer Großbestellung bei Oscorp. Die darin befindliche Flüssigkeit ist der neueste Schrei und erst seit kurzer Zeit auf dem Markt. Und genau da liegt der Knackpunkt: Auch wenn die Flüssigkeit garantiert im Dutzend billiger ist, günstig dürfte sie dadurch trotzdem nicht sein. Sofern Peter Parker also nicht im Lotto gewonnen hat, wirkt es ziemlich unglaubwürdig, dass er sich mal eben ein großes Paket mit den Kapseln schicken lassen kann, und das dann auch noch regelmäßig!
Außerdem: Im heutigen Zeitalter dürfte dadurch Peters Doppelidentität ziemlich schnell auffliegen: Ein maskierter Superheld, der überall die moderne Netzflüssigkeit von Oscorp in der ganzen Stadt verteilt? Oha, eine Person namens Peter Parker kauft regelmäßig besagte Flüssigkeit in großen Mengen ein? Zack, Geheimidentität aufgeflogen! Auch wenn sich TAS-M hier stärker an der Vorlage orientiert: Glaubwürdig ist das nicht unbedingt. Hinzu kommt noch, dass Peter Parker als sein Alter Ego zu dick aufträgt und zum Poser avanciert, der ständig einen coolen Spruch nach dem anderen auf seine Widersacher loslassen muss. Das macht der andere Spider-Man zwar auch, trägt dabei aber nicht zu dick und zu selbstsicher auf.

 

Runde 2 geht an Spider-Man!

 

httpvh://www.youtube.com/watch?v=0KW8stZ2jSQ

Onkel und Tante

Hier wird es wieder einfach und der Operator möchte sich an dieser Stelle auch nur kurz fassen, um nicht zu viel zu verraten: Gerade Onkel Ben ist in TAS-M einfach viel zu unsympathisch. Und auch Tante May wirkt nicht so sympathisch und gutmütig, wie man sie aus den Comics kennt. Dadurch büßt TAS-M viel an Stimmung ein.

 

Runde 3 geht an Spider-Man!

 

Der Schurke

S-M hat dieses großartige Vater-Sohn-Thema, welches durch Peters Freundschaft mit Harry und seinem Vater Norman, der für Peter zu einer Art Ersatzfigur geworden ist, stimmig inszeniert ist. Umso schwieriger wird es dann für Peter, als er herausfindet, dass Norman Osborn als grüner Kobold sein Unwesen treibt. Die einstigen Freunde werden dadurch zu Erzfeinden, und auch als sie die Geheimidentität des jeweils anderen herausfinden, kann das drohende Unheil nicht mehr aufgehalten werden und so kommt es zum erbitterten Kampf, der ein dramatisches Ende findet, das alles verändern wird.

Was bietet also TAS-M? Einen Wissenschaftler, der irgendwann schon mal mit Peters Vater zusammengearbeitet hat, und der durch ein Serum zu einer riesigen Eidechse mutiert und die gesamte Bevölkerung ebenfalls in riesige Eidechsen verwandeln will. Wirklich?! Netter Versuch, aber im Vergleich zu S-M stinkt der Bösewicht im neuen Film ganz schön ab.

 

Runde 4 geht an Spider-Man!

 

Musik

Könnt ihr noch, oder braucht ihr eine Pause? Na gut, der Operator fasst sich wieder kurz: Die Musik in S-M stammt von Danny Elfman, und die Musik in TAS-M von James Horner, Beides überaus talentierte Komponisten, die ihr Handwerk mehr als nur gut verstehen. Trotzdem wirkt die Musikuntermalung in TAS-M eher wie Beiwerk, als wirkliches Mittel zur Vermittlung von Emotionen. Der Score von Danny Elfman ist hier eindeutig besser, geht stärker unter die Haut und deshalb lautet auch hier die Devise:

 

Runde 5 geht an Spider-Man!

 

Die große Liebe

S-M hat Mary Jane Watson, TAS-M hat Gwen Stacy, beide von hübschen Frauen (Kirsten Dunst, Emma Stone) verkörpert, die nicht nur was fürs Auge sind, sondern auch essentielle Mitträger der Handlung. Auf der einen Seite haben wir die blonde Kirsten Dunst, die für Spider-Man eine rote Perücke trägt und auf der anderen Seite Emma Stone, die sonst immer ihre Haare rot gefärbt hat, aber für TAS-M ihre natürliche Haarfarbe zeigt. Mary Jane ist etwas zickiger als Gwen Stacy, doch das tut dem Charakter keinen Abbruch. Tja, da fällt die Entscheidung echt nicht schwer und deshalb kommt es zu einem Stechen:

 

Runde 6 bleibt unentschieden!

 

httpvh://www.youtube.com/watch?v=uAcD7H53220

 

Das große Fazit

Tja, was soll man da noch sagen: Der Gewinner ist eindeutig Spider-Man aus dem Jahr 2002, da man hier einfach mit viel mehr Herzblut an die Sache gegangen ist. The Amazing Spider-Man braucht einfach viel zu lange, um in Fahrt zu kommen und hangelt sich eigentlich nur von einer spektakulär inszenierten Szene zur nächsten, ohne für ein stimmiges Gesamtbild zu sorgen. Der Film ist zwar durchaus unterhaltsam und solide gemacht, aber wenn man die Wahl hat, dann sollte man auf jeden Fall Sam Raimis Geschichte vom Ursprung von Spider-Man ansehen.

Und damit ist dann auch die Frage beantwortet, ob ein Reboot nach so kurzer Zeit überhaupt notwendig ist: Die Antwort lautet ganz klar Nein.
Auch wenn der dritte Spider-Man von Sam Raimi der schwächste der Reihe ist, die Serie hatte durchaus noch genügend Potential für weitere Filme. Aufgrund von kreativen Differenzen zwischen Sony und Raimi hat man sich allerdings dazu entschlossen, noch einmal komplett von vorne anzufangen. Eine falsche Entscheidung!
Und damit kommen wir auch zum nächsten Punkt: Es ist an der Zeit, dass die Recht für Spider-Man-Filme wieder an Marvel gehen, denn das Comicstudio weiß am besten, wie man mit seinen eigenen Helden umgeht, was nicht zuletzt durch Filme wie Iron Man und The Avengers eindrucksvoll bewiesen wurde.
Und wenn die Filme wieder direkt von Marvel produziert werden, dann sehen wir hoffentlich auch weniger Produktplatzierungen für Sony-Produkte. Teilweise hatte man das Gefühl, sich einen zweistündigen Werbespot von Sony-Smartphones, -Monitoren, -Computern und vielen anderen Dingen anzuschauen. Das muss doch echt nicht sein…

3 Antworten auf „Spinne gegen Spinne“

  1. Oh, Danke!

    Ich hab wirklich ein bisschen überlegt, ob ich TASM gucke… aber da ich sowieso nicht sooo der Marvel-Fan bin (<3 Batman…) und Spiderman schon immer etwas fad fand, brauche ich mir das ja wirklich nicht anzutun.

    Schau dir mal Moonrise Kingdom an, der ist toll ;-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.