Spiegelbild

Zeit für neues Geschreibsel, diesmal sogar wieder mit Einleitung, obwohl man über den Text eigentlich keine großen Worte verlieren muss, da er ziemlich für sich selbst spricht. Und trotzdem: Wer wäre der Operator, wenn er nicht auch für solche Texte eine Einleitung finden würde? Eben!
Bei diesem fiktiven Text handelt es sich um ein paar Zeilen, die der Operator irgendwann, irgendwo und irgendwie geschrieben hat. Ob zum Zeitvertreib, zur Selbsterkenntnis oder zur Vorbereitung auf eine längere Geschichte – die Interpretationen seien wie immer den Lesern überlassen. Fakt ist jedoch, dass der Operator selbst nur ziemlich selten in den Spiegel schaut. Und wenn, dann auch meist nur kurz. Eine Ausnahme bildet da das Headbladen, denn das klappt noch nicht mit verbundenen Augen. Aber auch daran arbeitet der Operator! Wie dem auch sei, nach dieser wie immer sinnfreien Einleitung folgt jetzt der wie immer sinnfreie Haupttext. Viel Spaß und esst mehr Gemüse! Und Fleisch! Aber tötet keine Robben! Oder Wale! Und Augen auf im Straßenverkehr!

Er schaute in den großen Spiegel, der über dem Waschbecken im Badezimmer hing: Sein Gesicht wirkte eingefallen und seine Augenringe schrien vor Müdigkeit.
Und doch strahlten seine Augen selbst eine gewisse Wachsamkeit und Lebendigkeit aus. Manchmal tat es gut, allein zu sein. Die meiste Zeit jedoch war es schmerzhaft und nervenaufreibend: Wenn man jeden Tag mit dem Gefühl aufwacht und zu Bett geht, dass etwas in seinem Leben fehlt, dann schlägt sich das nicht nur unweigerlich auf die Psyche, sondern auch auf die körperliche Gesundheit aus.
Doch was blieb ihm schon anderes übrig, als in den Spiegel zu sehen und über die Trivialität seines Seins nachzudenken? Was macht ihn überhaupt besonders oder unterscheidet ihn von anderen Personen? War es sein Herzschmerz und die Nichtbefriedigung seiner Bedürfnisse? Oder waren es gar seine Gedanken und inneren Triebe, die seinen Verstand aktiv hielten? Vielleicht war es aber auch nur die Gewissheit, dass dies irgendwann bald ein Ende finden würde, so oder so.
Er wusste es nicht genau und wollte es in diesem Moment auch gar nicht wissen. Was zählte war sein Antlitz im Spiegel und die damit verbundene Wahrnehmung seiner selbst. Was die Zukunft bringt, das weiß er nicht. Auch weiß er nicht, ob sich sein Zustand irgendwann bessern, oder ob alles noch mehr vor die Hunde gehen wird. Eine Sache war jedoch klar wie jüngst poliertes Porzellanglas: Wir wurden alle geboren, um zu sterben. Die Frage lautet nur, was wir in der  Zeit dazwischen machen: Lassen wir uns von der Gewissheit beeinflussen, dass alles irgendwann ein Ende findet, oder machen wir das Beste aus dieser Zeit zwischen den Welten?
Sehen wir optimistisch nach vorne oder tragen wir die schwere Bürde der Erkenntnis? Muss man sich überhaupt für eine Seite entscheiden? Kann man nicht das Beste aus seiner Situation machen, obwohl man weiß, dass alles Leben nur vergänglich und im Vergleich zum großen Gesamtbild nur ein schlechter Witz ist? Muss man wirklich immer diese Linie zwischen Gut und Böse ziehen?
Ach, was weiß denn er: Er ist nur ein weiterer Idiot der vor dem Spiegel steht und sich darin beobachtet.

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