Neues Geschreibsel!

Manchmal laufen die Dinge anders, als man denkt und so kam es, dass der Operator heute unverhofft mehr Zeit hatte, als ursprünglich geplant. Die Zeit hat er genutzt, um mal wieder ein wenig zu schreiben, schließlich will man auch nicht aus der Übung kommen. Herausgekommen ist eine kleine Kurzgeschichte, die euch der Operator hier ohne weitere Vorankündigung präsentiert. Viel Spaß. Oder so.

Bar-Bekanntschaft

Mit gesenktem Kopf und einem Glas Whiskey in der Hand saß er auf dem Barhocker. Links neben ihm lag sein Handy, auf das er alle paar Augenblicke schaute, in der Hoffnung eine Nachricht oder einen Anruf zu erhalten. Wenn er nicht gerade auf sein Handy blickte, starrte er gedankenversunken in die Luft. Er dachte dabei an nichts Konkretes; die Gedanken waren zu willkürlich, um sie wirklich festhalten und einordnen zu können.
Er trank einen Schluck aus seinem Glas. Der rauchige Whiskey floss seine Speiseröhre hinunter und sorgte für ein warmes Gefühl in seinem Bauch. Die einzige Wärme, die er im Moment verspürte.
Langsam fingen seine Gedanken an, sich zu konkretisieren, als sie von einer Frauenstimme unterbrochen wurden.
„Beschissene Nacht?“ fragte ihn die unbekannte Brünette.
Er schaute kurz auf sein Handy und dann der Brünetten in Augen. Sie waren grün.
„Eine Nacht wie jede andere.“, erwiderte er und zuckte beiläufig mit der linken Schulter.
Die unbekannte Brünette hatte bemerkt, wie er wieder auf sein Handy geschaut hat.
„Erwartest du jemanden?“
„Irgendwie schon, aber eigentlich nicht.“
Die Brünette setzte sich auf den Barhocker links von ihm.
„Wie meinst du das genau?“
„Man will raus, aber keiner hat Zeit. Also geht man alleine und setzt sich in irgendeine Bar. Weil man nicht möchte, dass der Abend so endet, wie er angefangen hat, starrt man ständig auf sein Handy. Scheißdinger.“
Die Brünette nickte.
„Mein Abend läuft bisher auch nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Aber wann tut es das schon mal…“
„Erzähl!“
„Ach, da gibt es nicht viel zu erzählen: Im Grunde genommen ist es wie bei dir. Mit dem Unterschied, dass ich letzte Woche meinen Freund mit einer anderen im Bett erwischt habe und deshalb das Jubiläumsessen heute ins Wasser gefallen ist.“
Er nahm einen weiteren Schluck aus dem Whiskeyglas. „Fuck, das ist mies.“
„Ach, unsere Beziehung drehte sich gegen Ende sowieso nur im Kreis. Wäre es nicht das gewesen, dann hätte es noch genügend andere Gründe gegeben, um Schluss zu machen.“
Er schaute ein wenig irritiert.
„Entschuldige die persönliche Frage, aber warum hast du dann nicht eher Schluss gemacht?“
Sie zögerte kurz.
„Ich wollte nicht alleine sein. Albern, ich weiß.“
„Ganz und gar nicht.“
Er nahm ihre rechte Hand in seine linke.
„Schon komisch, was man manchmal nicht alles macht, um nicht alleine zu sein.“
„Zum Beispiel in eine Bar gehen, sich betrinken und dabei in Selbstmitleid zerfließen?“
Er lachte kurz auf.
„Ich zerfließe nicht in Selbstmitleid, jedenfalls nicht vor dem fünften Glas Whiskey.“
„Und beim wievielten Glas bis du mittlerweile?“
Er lächelte spitzbübisch.
„Erst beim zweiten. Wenn du einen erwachsenen Mann weinend im Selbstmitleid sehen willst, dann komm in ca. einer Stunde wieder.“

„Oder…“, sie erwiderte seinen Händedruck, „wir verlassen die Bar jetzt einfach.“
Er wollte der unbekannten Brünetten gerade antworten, als sein Handy neben ihm auf dem Tisch vibrierte. Er nahm es in die Hand, schaute auf das Display und drückte ein paar Tasten.
Er legte das Handy wieder beiseite. „Entschuldige bitte.“
„Kein Problem. War das die Nachricht, auf die du gewartet hast?“
„Das… das war etwas anderes.“ Er schaute unbequem.
„Alles in Ordnung?“
„Weißt du, ich denke, es ist besser, wenn ich hier bleibe.“
Er zog seine Hand zurück.
Die Brünette schaute verwirrt. „Bist du dir sicher?“
„Sorry, aber heute Nacht ist einfach nicht die Nacht dafür.“
Er trank sein Glas aus und gab dem Barkeeper eine Geste, dass er ein weiteres Glas haben wollte.
Die Brünette war sichtlich sauer und enttäuscht. Sie stand auf und zwischen ihren Zähnen zischte ein „Arschloch!“ hervor. Dann verließ sie die Bar.
Er saß wieder alleine da und griff zu seinem Handy, um die Werbe-SMS zu löschen, die er vorhin erhalten hatte. Sie war von einem Autoreparaturservice.
Dabei fährt er gar kein Auto.


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