Über Vorsätze und Jahresrückblicke

Der erste Streich

Immer dann, wenn sich ein Jahr dem Ende zuneigt, sieht man überall im Fernsehen Jahresrückblicke. Selbst wenn man wie der Operator (das bin ich!) kein TV sieht, kann man sich ihrer Präsenz nicht entziehen. Doch warum eigentlich Jahresrückblicke? Jeder, der das zurückliegende Jahr nicht im Koma verbracht hat, sollte doch eigentlich alle relevanten Ereignisse mitbekommen haben. Und die Ereignisse, die an einem vorbeigezogen sind, werden wohl auch nach Sichtung multipler Jahresrückblicke nicht lange im Gedächtnis hängen bleiben.
Vielleicht halten die Verantwortlichen der Fernsehlandschaft ihre Zuschauer auch einfach nur für dumm und vergesslich (das würde immerhin das miserable TV-Programm erklären, das sich auf den meisten Sendern vorfindet), weshalb man der Meinung ist, noch einmal alte Nachrichten von vorgestern auftischen zu müssen: Steve Jobs ist gestorben und zu Guttenberg hat abgeschrieben? Danke, liebe Jahresrückblicke für diese neuen Informationen!
2011 ist natürlich noch mehr passiert, aber die Relevanz der Ereignisse muss jeder für sich selbst festlegen und bestimmen.

Aber an dieser Stelle muss für die TV-Sender doch noch eine kleine Lanze in Form eines Zahnstochers gebrochen werden: Man hätte als Lückenfüller für das TV-Programm „zwischen den Jahren“ auch die übliche Fuhre an niveauloser TV-Unterhaltung abladen können. Stattdessen bietet man „Gutes von gestern“ an, um den Zuschauern vorm Fernseher mit Informationen zu überschütten, die er eigentlich schon kennt. Aber wer weiß, vielleicht gehören besagte Fernseh-Sender auch dem gemeinnützigen Bund für Komapatienten an, der mit den alljährlichen Rückblicken seinen Beitrag für die Resozialisierung von Menschen leistet, die das vergangene Jahr im Koma verbringen mussten.

Spoiler-Alert: Ihr habt nichts verpasst.

 

Der zweite Streich

Der Operator wäre natürlich nicht der Operator, wenn er sich nicht auch noch über einen weiteren Silvesterbrauch auslassen würde. Wer die Überschrift dieses Beitrag gelesen hat, wird sich schon denken können, worum es geht (und dabei direkt merken, dass die beiden Themen in der falschen Reihenfolge aufgelistet wurden).
Die Rede ist natürlich von – Trommelwirbel! – Vorsätzen für das neue Jahr!

Irgendwie nimmt man sich doch jedes Jahr die gleichen Sachen vor:

  • Gesünder leben
  • Mehr Sport treiben
  • Mit dem Rauchen aufhören
  • Weniger Alkohol trinken
  • Abnehmen

Wer sich beim Thema „Vorsätze“ oder der Auflistung beliebter Vorsätze angesprochen fühlt, dem möchte der Operator seine Glückwünsche aussprechen: Glückwunsch dafür, dass ihr auch in diesem Jahr eure Vorsätze nicht einhalten werdet. Wer nämlich wirklich etwas ändern will, der braucht kein fadenscheiniges Ereignis wie den Jahreswechsel, um den Vorsatz dann auch in die Tat umzusetzen. Man kann zum Beispiel auch mitten im März anfangen, weniger Alkohol zu trinken. Aber das würde dann natürlich etwas komisch klingen:

– „Und im März habe ich beschlossen, weniger Alkohol zu trinken.“
– „Warum denn gerade im März?!“
(Peinliches Schweigen)

Viel besser klingt da natürlich:
– „Und zum Jahreswechsel habe ich beschlossen, weniger Alkohol zu trinken.“
– „Hört, hört!“

Auch wenn der Operator mitnichten unter die Lebensberater gegangen ist, lasst euch eins sagen: Man braucht kein Großereignis, um etwas zu verändern. Ebenso braucht man keinen Jahreswechsel, um mit seinen Vorsätzen zu scheitern. Warum muss man sich überhaupt etwas vornehmen? Warum kann man nicht einfach damit anfangen? Statt darüber zu reden, endlich abzunehmen, könnte man auch einfach für den Anfang einen ausgedehnten Spaziergang machen.

Vorsatz ist nichts weiter als ein anderes Wort für „Aufschiebung“

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