Geschreibsel – Abschiedsbrief

Na, wenn das mal gut geht: Da weiht der Operator seine neue Kategorie direkt mit einem pessimistischen und traurigen Text ein. Aber andererseits wäre es auch langweilig, wenn der Operator einen weniger besonderen Text für die Einweihung ausgewählt hätte…

Vorgeschichte:

Vorab ein paar Worte zum Text: Vor ein paar Jahren (es müssten drei an der Zahl gewesen sein), kam dem Operator unter der Dusche (der magische Ort, an dem die meisten Ideen entstehen… Dort und im Bett, wenn man mal wieder nicht einschlafen kann)  die Idee zu einer Kurzgeschichte: Sie sollte von einem über die Jahre hinweg manisch depressiv gewordenem und medikamentös behandelten Idealisten handeln, der die Blüte seines Lebens mittlerweile längst hinter sich und seine Ideale schon vor Jahren verloren hat. Der Text, den ihr gleich zu lesen bekommt, sollte dabei seinen Abschied vom Leben darstellen. Damit ist nicht unbedingt Suizid gemeint, sondern eher die innere Erkenntnis des Protagonisten, dass er sein Leben verwirkt hat (was unter anderem auch an den ganzen Psychopharmaka und deren Nebenwirkungen liegen sollte, die er so schlucken musste).

Die Kurzgeschichte kam effektiv nie über diesen einen Abschiedsbrief hinaus: Der Operator hatte zwar schon viele Ideen und Konzepte auf Papier gesammelt, aber die Geschichte war im Endeffekt selbst für den Operator zu konfus und unhandlich, so dass es sich für ihn nicht gelohnt hätte, weiter daran zu arbeiten. Was ihr hier also lest ist das einzige Lebenszeichen einer Idee, die nie über die Planungsphase hinaus kam.

Ich bin defekt.
Ich wurde in diese Welt geboren, um zu sterben.
Ich habe keine Richtung und kein Ziel.
Die Einsamkeit umhüllt mich mit ihren kalten Armen,
scharfe Klauen warten darauf, mich in Stücke zu zerreißen.
Warum? Weil ich das Leben nicht zu schätzen weiß und aus dieser kalten Welt, die sich nicht wie mein Zuhause anfühlt, so schnell wie möglich verschwinden will.

Mein gesamtes Dasein ist ein schlechter Witz auf meine Kosten.
Niemand hat mich gefragt, ob ich bereit dazu bin, diese Bürde zu tragen.
Doch ich alleine habe die Kraft und die Macht, das alles zu beenden.
Heute Nacht. Morgen. In ein paar Wochen. Irgendwann.

Auch wenn ich insgeheim auf die eine Person warte, die dem ganzen Leiden ein Ende bereiten kann,
so weiß ich doch, dass sie nicht existiert.
Und falls doch, so fehlt mir die Kraft, um auf sie zu warten.
Stattdessen lebe ich in den Tag hinein, bereit dazu, diese Welt für immer zu verlassen.
Doch so komisch das auch klingen mag: Aus der Einsamkeit und dem nie enden wollenden Schmerz schüre ich Kraft. Kraft, die mich am Leben erhält.
Eine ungeahnte Form des Masochismus, die die äußere Hülle unversehrt lässt, aber das Innenleben wie Papier in kleine Schnipsel zerreißt.

Ich bin defekt.
Und ich wurde dazu geboren, defekt zu sein.
Es gibt keine Besserung und kein Happy End.

Das ist mein Kreuz, das ich tragen muss.
Ich habe die Wahrheit erkannt, dass jeder alleine sterben muss.
Warum dann also die Zeit mit einer anderen Person verschwenden, nur um sich selbst etwas vorzumachen?

Es hat alles keinen Sinn,
keine Richtung,
keinen großen Plan.
Stattdessen gibt es Zufälle und Routine.

Doch so will ich nicht leben.
Ich wollte die Welt verändern, doch musste feststellen, dass sie keine Veränderung wünscht.
Aus diesem Grund bin ich nutzlos.
Ich habe meine innere Bestimmung verfehlt,
doch bin ich nicht sicher, ob ich jemals so etwas besaß.

Alleine lebe ich, alleine sterbe ich.