Lost In Translation: Zu zweit allein

Die Rahmenhandlung ist in wenigen Worten erklärt:

Der alternde Schauspieler Bob Harris (grandios dargestellt von Bill Murray), der gerade eine Midlife-Crisis durchlebt, befindet sich in Tokio, um dort Werbung für eine Whiskey-Marke zu machen. Charlotte (Scarlett Johansson) ist mit ihrem Ehemann, dem Fotografen John (Giovanni Ribisi) ebenfalls in Tokio, um ihn bei seinem neuesten Foto-Shooting zu begleiten. Bob und Charlotte laufen sich eines Tages in der Bar des Hotels, in dem sie untergekommen sind, über den Weg, und lernen sich so näher kennen. Schon bald stellen sie fest, dass sich zwei verlorene Seelen gefunden haben…

Alleine in einer fremden Welt
Alleine in einer fremden Welt

Der Film gehört zu den Lieblingen des Operators, doch warum ist das so?

Einen wesentlichen Teil macht die Mischung aus Komödie, Drama und Romantik aus, doch die größte Stärke des Films liegt in der Vermittlung von Gefühlen, insbesondere der Verlorenheit der beiden Hauptcharaktere und ihrer Suche nach sich selbst. Dies wird unter anderem dadurch erreicht, dass man die beiden Protagonisten dabei beobachtet, wie sie versuchen, sich alleine die Zeit zu vertreiben. Sei es im Swimmingpool des Hotels, oder aber in der Innenstadt von Tokio beim Sightseeing – Irgendwie wirken die beiden Personen ständig fehl am Platz und, nun ja, verloren. Erst als sich die beiden zufällig in der Hotel-Bar begegnen, wird ein Stück der Verlorenheit genommen, und durch eine innere Verbindung, man kann sogar von Seelenverwandschaft sprechen, ersetzt.

Im Laufe der Geschichte verbringen Bob und Charlotte immer mehr Zeit miteinander, und auch der erste intime Moment lässt nicht lange auf sich warten. Nein, hier geht es nicht um Sex, sondern um zwei Personen, die sich gefunden haben, und die trotz, oder  gerade wegen ihres Altersunterschieds nicht besser hätten zusammenpassen können.
Selbst ein törichter One-Night-Stand zwischen Bob und einer rothaarigen Sängerin, die ungefähr in seinem Alter ist, kann dieser Beziehung und inneren Vertrautheit keinen richtigen Schaden verpassen.

Was mache ich hier eigentlich?!
Was mache ich hier eigentlich?!

In einer riesigen und unpersönlichen Großstadt wie Tokio haben sich zwei Menschen gefunden, weil sie zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren, wie es so schön heißt. Doch ihre Seelenverwandtschaft wird schon im Vorfeld von einem dunklen Schatten überlagert, den beide allerdings erst im allerletzten Moment wahrnehmen: Ihr Zusammensein wird nicht von Dauer sein. Ihnen bleibt nur eine einzige Woche, bevor Bob wieder zurück in die USA zu seiner Frau und seinen Kindern fliegt. Und auch Charlotte muss irgendwann wieder zurück nach Los Angeles. Danach werden sich die beiden vermutlich nie wiedersehen, oder vielleicht doch? Immerhin flüstert Bob Charlotte liebevoll einige unverständliche Sätze ins Ohr, bevor der Film endet.

Abschied nehmen fällt nicht leicht
Abschied nehmen fällt nicht leicht

Doch was beim Zuschauer bleibt ist die Ungewissheit, ob sich die beiden Menschen jemals wiedersehen werden, und das Gefühl der eigenen Verlorenheit: Was mache ich hier eigentlich, und warum? Dem Film gelingt es, den Zuschauer während seiner gesamten Laufzeit über zum Nachdenken (besser: -fühlen) anzuregen, ohne ihn dabei aber mit der Nase drauf zu stoßen.
Und gerade dieser Umstand macht den Film so einzigartig: Er weckt bestimmte Gefühle & Sehnsüchte im Zuschauer, ohne dabei jemals aufdringlich zu werden. Stattdessen wird es dem Zuschauer überlassen, inwieweit man sich auf den Film einlassen möchte.

Zu zweit allein...
Zu zweit allein…

Und genau aus diesen Gründen ist der Film die aktuelle Empfehlung des Moments. Jeder, der „Lost In Translation“ noch nicht gesehen hat, sollte sich schämen und sich schleunigst die Blu-ray oder DVD zulegen.

Der Operator plädiert: Domi Arigato, Mr. Roboto!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.